Den Schweinehund im Gepäck oder ….

… Nachbarschaft motiviert.

Heute habe ich ein klein wenig früher Feierabend gemacht. Ich habe am Vormittag nicht nur diesen Blog eröffnet, sondern auch gewissenhaft alles abgearbeitet, was noch so zu tun war, bevor ich ab Montag drei Wochen Urlaub habe.

Drei Wochen, weil ich zu schusselig war, mir zu merken, dass meine Frau nur zwei Wochen hat. Da ich aber einen sozialen Arbeitgeber habe, habe ich eh eine Woche mehr Urlaub pro Jahr, als sie. Dann nehme ich diese also jetzt 🙂

Früh zu Hause ist die beste Voraussetzung um eine erste Runde zu drehen. Langsam anfangen. Es sollte eine Runde durch die Nachbarschaft werden. Ich laufe gerne „frei“. Also ohne Schlüssel, Handy, MP3-Player, Pulsuhr und Ähnlichem. Nur ich, die Luft, die Gedanken. Abschalten und den Urlaubsrhythmus finden, war die Devise.

Eingekleidet in T-Shirt, lockere lange Sporthose, Laufmütze und natürlich Schuhen ging ich hinaus. Ein Blick nach oben verriet, dass es in der nächsten Stunde eher nicht regnen würde und auch, dass gerade kein Nachbar am Fenster lehnte und mich beobachtete. Ich konnte locker losgehen.

Das Ziel: Gehen und leicht joggen im Wechsel. Wie gesagt. Langsam (wieder) einsteigen.

Ich ging die Treppen runter in Richtung Siedlung der Einfamilienhäuser und überlegte noch, wie ich die Runde genau angehen wollte, als plötzlich am letzten Haus die Tür aufging und die Nachbarin heraustrat. Gekleidet in ihrem sexy engen Trainingsanzug, der ähnlich schwarz war, wie meiner, nur eben enger anlag. Kann man sich gut anschauen, obwohl ich schon öfter gesehen habe, dass er sicher vor ein paar Jahren auch nicht so eng war.

Ich trabte los. Der Schweinehund wurde wach und schnaufte. „Psst. Schau nach vorne“, sagte ich und er verstummte. Ich lief lässig an ihr vorbei und grüßte. Ein paar Schritte weiter überlegte ich, wie lange sie mir wohl hinterherschauen konnte. Keine Blöße zeigen. Ich lief um die nächste Ecke und verfiel ins Gehen.

Der Schweinehund beruhigte sich auch wieder, ich bekam nach einigen Metern wieder Luft, überquerte die Straße und begann wieder zu laufen. Rechts um die Ecke. Vorbei an der großen Wiese. Dann erblickte ich Sie. Die kühle Blonde, die erst vor kurzem Nachwuchs bekommen hatte. Sie trug eine enge Laufhose, eine bunte Laufjacke und farblich abgestimmte Schuhe. Auf dem Kopf eine Laufmütze, aus der hinten ihr blonder Pferdeschwanz heraus ragte und lustig von links nach rechts hüpfte. Ich brach ab und walkte stattdessen weiter. Nur langsam kam ich näher. Sie schob ihren Kinderwagen und ihr kleiner Hund schnüffelte hier und dort, aber irgendwann hörte er mich und begann zu kleffen.

So gerade eben registrierte ich, dass sie sich umdrehte und schon lief ich wieder. Lässig. Klar. Dachte ich zumindest. Vorbei an ihrem Hund, dann an ihr. Kurzes Lächeln und weiter Richtung Kreisverkehr. Rechts herum und auf der anderen Seite wieder heraus. Kam sie hinterher?

Ich drehte mich kurz im Laufen um die eigene Achse. Sie war abgebogen. Puh. Gehen.

„Mann, geht’s auch langsamer. Ich kotz gleich“, raunte der Schweinehund. Ich atmete tief, schüttelte im Gehen die Beine aus und nahm meine harten Schienbeinmuskeln war. Volle Konzentration aufs Gehen. Richtig abrollen. Die Muskeln wieder weich werden lassen. Es funktionierte. Ich ging durch den Park. Vorbei an einem knutschenden Pärchen auf einer Bank, das mich nicht wahrzunehmen schien. Leichte Rechtskurve.

„Hach, so kann es bis nach Hause gehen“, sagte der Schweinehund als ich an der Querstraße ankam.

Wir ließen ein Auto passieren und gingen rüber. Plötzlich sah ich es. Das Auto. Ein quietsch-grüner Mercedes. Eines der hässlichsten Autos in der Gegend. Aber … Es gehörte der netten Kassiererin von der Tankstelle. Sie kam wohl gerade nach Hause. Also los. Trab. An ihr vorbei, grüßend versteht sich, und weiter bis zur nächsten Ecke. Schnaufend blieb ich stehen und merkte, dass der Schweinehund schon ein wenig Gewicht verloren hatte. Oder ihm war nur übel von der Bewegung. Egal. Ich ging noch ein paar Meter. Dann kam ich in die Nähe des Fußballplatzes. Geschrei, Bälle wurden getreten, Pfiffe.

Na toll. Da ist Training. Da kann ich kaum so vorbei schleichen und hecheln.

Also wieder laufen. Vorbei am ersten Platz. Hinüber zum zweiten. dort trainierten die Damen. Klasse Ausrede mal wieder ein Stück zu gehen. Schließlich muss ich ja wissen, ob eine der nächsten Weltmeisterinnen hier gerade trainiert.

Am Ende des Platzes schaute ich nach links in die Straße, die wieder nach Hause führte. Die Nachbarin war weg. Aber vielleicht saß sie ja am Küchenfenster?

Ich lief los und schaffte die letzten Meter bis in den Garten. Geil! Der erste Weg war geschafft. Bäm!

Ohne Stopuhr, ohne Herzfrequenzmesser, ohne Musik, aber so richtig frei waren die Gedanken auch noch nicht. Zu viele Gedanken um die Gedanken der anderen. Das muss aufhören.

Jedenfalls wollte ich eigentlich eine Stunde laufen. Am Ende war ich nach 30 Minuten zurück. Immerhin kann ich diese Strecke jetzt als Einstiegsreferenz nehmen und schauen, dass ich auf ihr schneller werde. Erst dann werde ich sie verändern, erweitern, anpassen. 

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